Haltungsinformationen
Der Banggai-Kardinalbarsch (Pterapogon kauderni) ist ein ca. acht Zentimeter lang werdender Kardinalbarsch, der nur in einem sehr kleinen Gebiet östlich der indonesischen Insel Sulawesi im Meer lebt. Das gesamte Gebiet des Vorkommens umfasst eine Fläche von nur 5.500 km².
Häufig in der Nähe von Molen, auf schlammigen Sandböden mit Seegras (Enhalus acoroides). Vergesellschaftet mit Diadema setosum, dem Langstacheligen Seeigel. 2 bis 60 Exemplare schweben direkt über den Seeigeln, wobei die jüngeren, etwa 2–3 cm großen, näher am Seeigel bleiben. Bei Bedrohung ziehen sich die Fische zwischen die Stacheln zurück. Ernähren sich vermutlich nachts von kleinen benthischen und planktonischen Krebstieren.
Aquaristische Haltung:
Die Kauderni-Nachzuchten suchen gerne Schutz in den Stacheln der Diadem-Seeigel. So sind sie vor Angriffen und Attacken von größeren Fischen besser geschützt. Wie alle Kardinalbarsche sind auch die Kauderni Maulbrüter. Die Brut hat dabei ca 5-40 Eier.
Die Tiere müssen als Paar gehalten werden, Einzelhaltung sollte nicht sein, genauso wenig wie die Haltung von mehr als 2 Tieren. Mehr als 2 führt in der Regel zum Tode des dritten Tieres.
Leider sind die Kaudernis im Aquarium nicht sonderlich aktiv, meist stehen sie ruhig im Becken und werden nur bei der Fütterung aktiv.
Die Haltung im Aquarium ist absolut einfach. Sie nehmen alles an Futter an und sind wenig krankheitsempfindlich.
Der Kauderni wurde erst spät für die Meerwasseraquaristik entdeckt, es war ca. 1996 als er erstmalig auf der Interzoo in Nürnberg gezeigt wurde.
Wichtig:
Der Kardinalbarsch stellt bei entsprechender Größe auch Garnelen nach.
Michael Mendler berichtet: Hallo zusammen, mein Name ist Michael Mendler und wohne in der Nähe von Ulm. Seit 2 Jahren betreibe ich erfolgreich ein Seewasseraquarium. Seit 1 Jahr beschäftige ich mich mit der Nachzucht von Pterapogon kauderni.
Nachzuchtinformationen:
Solange die Jungtiere noch mit Artemia gefüttert werden, sollte dies nur unter kräftiger Beleuchtung geschehen, da die gierigen Racker sonst die frisch geschlüpften Artemia nicht von den Schalen unterscheiden können. So erging es mir 2 mal. Ich fütterte die Babys nur bei Blaulicht. Plötzlich schoß einer nach dem anderen durchs Becken, wie von der Tarantel gestochen. Durch den Stress fielen dann die Fische in eine Art Ohnmacht und lagen reglos am Boden. Nach 1 bis 3 Minuten stand dann einer nach dem anderen wieder auf. Hab auch schon gehört, dass nach solch einem Stress manche Tiere nicht mehr weiter geschwommen sind. Bei mir war das Gott sei dank nicht der Fall.Also beim Füttern solcher kleinen Pfleglinge genügend Licht, am besten geschälte Artemia verwenden und die Fische mit vollem Bauch auf gar keinen Fall stressen.
Und Michael ergänzte in 2002:
Seit längerer Zeit züchte ich immer wieder Kaudernis. Hierzu fange ich mit einer Spiegelfalle das maulbrütende Tier aus meinem Becken und versetzte es in ein Aufzuchtbecken. Bisher gestaltete sich das Aufziehen der Jungen aber immer recht mühsam.
Kurz vor Weihnachten sah ich, dass einer wieder das Maul voll hatte. Da aber der Weihnachtsstreß vor der Tür stand, beließ ich den Kauderni in meinem Riffaquarium.
Am 26.12. entdeckte ich 3 kleine Babys nahe der Oberfläche und fing sie mit dem Netz heraus und setzte sie ins Aufzuchtbecken.
Als ich Artemia ansetzen wollte, mußte ich feststellen, keines mehr im Hause zu haben. Bei meinem Händler in der Nähe war auch keines zu bekommen. Somit wurde per Internet bestellt. Aber was tun, solange kein Lebendfutter im Hause ist? Ich versuchte allerlei kleines Gefrorenenfutter aus. Und siehe da, Lobstereier schienen ihnen zu zu sagen, wirklich kaum zu glauben. Heute, im Januar 2002, sind die drei Kleinen ca. 3cm lang (siehe Foto unten). Ich finde sogar, dass sie schneller wachsen, als mit lebenden Artemia, obwohl ich diese immer in einer Nährstofflösung schlüpfen lasse. Mich würde interessieren, ob jemand auch schon solche Erfahrungen mit der Aufzucht von Kaudernis gemacht hat? Ist es Zufall?
Bitte keine Wildfänge mehr kaufen, da der Pterapogon kauderni am Rande der Ausrottung steht.
Anmerkung:
Inzwischen gibt es auch in der Lembeh-Straße stabile Populationen des Banggai Kardinalbarsches.
Lembeh gilt als Hauptumschlagsort für den Barsch, aus Versehen fielen vor einigen Jahren Transporttüten ins Meer und die Barsche konnten entweichen.
TV-Bericht "Die See der kleinen Moster", 3Sat am 27.7.2014.
Der Begriff "riffsicher" wird in der Meerwasseraquaristik häufig benutzt, insbesondere beim Kauf einer neuen Art wird oft nachgefragt, ob das neue Tier "riffsicher" ist.
Was genau bedeutet riffsicher?
Um diese Frage zu beantworten, kann man zielführende Fragen stellen und sich in Foren, Vereinen, Händlern und bei befreundeten Aquarianer erkundigen:
- Gibt es bereits Erfahrungen und Haltungsberichte, die versichern, dass das neue Tier in anderen passend ausgestatteten Aquarium, ohne jemals Probleme bereitet zu haben, leben kann?
- Gibt es Erfahrungen auf Übergriffe von Mitbewohnern wie Fischen der gleichen oder einer anderen Art, Übergriffe auf Invertebraten (Krustentiere, Einsiedler, Muscheln, Schnecken) oder Korallen?
- Sind Informationen über eine mögliche Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, z.B. von pflanzlicher Ernährung auf fleischliche Ernährung, bekannt oder zu erwarten?
- Lassen die gewünschten Tiere den Riffaufbau in "Ruhe", verändern sie ihn ständig (Bohrseesterne, Baggergrundeln, Papageifische, Drückerfische) und stören oder verdrängen damit andere Mitbewohner?
- Neigen die Tiere dazu, nachts die Korallen umzuwerfen?
- Neigen die neuen Tiere bekanntlich immer wieder und sehr schnell zu Krankheiten und lassen sich diese auch behandeln?
- Ändern bekannte friedliche Tiere im Laufe ihres Lebens Ihren Charakter und werden aggressiv?
- Kann der Tod eines neuen Tieres eventuell sogar zum Tod des restlichen Bestands durch Vergiftung führen (bei einigen Seewalzenarten möglich)?
- Nicht zuletzt muss auch der Pfleger der Tiere in die „Riffsicherheit“ einbezogen werden, es gibt aktiv giftige, passiv giftige Tiere, Tiere die gefährlichen Biß- oder Stechwaffen besitzen, Tiere mit extrem starken Nesselgiften, diese gilt es zu (er)kennen und es sollte im Vorweg ein Maßnahmenplan im Falle eines Übergriffes auf den Aquarianer getroffen worden sein (z.B. Telefonnummern der Giftnotrufzentrale, des behandelnden Arztes, des Tropeninstituts etc.)
Werden alle Fragen im Sinne der / des Tiere (s) und des Pflegers positiv bewertet, dann kann man von einer „Riffsicherheit“ ausgehen.






Jim Greenfield, Großbritannien


